Wer in Laboe ans Wasser will, bekommt es unweigerlich mit Sven Peter zu tun
Laboe – Den Strandbesuch in Laboe gibt’s nicht umsonst. Erwachsene zahlen zwei Euro am Tag (Kinder bis 18 Jahre sind ausgenommen), Einwohner einen Jahresbetrag von zehn Euro. So ist es an den Zahlautomaten neben den Strandzugängen ersichtlich. Ob die Strandbesucher ihren Obolus auch entrichten, kontrolliert seit einigen Wochen Sven Peter. Er treibt „zwischen 20 und 100 Euro“ bei einem Kontrollgang ein, ist aber auch „Blitzableiter“ und gibt Hinweise, Kritik und Anregungen der Gäste an den Tourismusbetrieb weiter.
Von Astrid Schmidt
Die Sonne scheint, der Kurstrand in Laboe ist gut gefüllt. Es ist 11 Uhr, als Strandkontrolleur Sven Peter sich auf den Weg macht. „Guten Tag, Ihre Strandkarte bitte!“, sagt der 32-Jährige zu einer Gruppe junger Männer und zückt seinen Ausweis. Der berechtigt ihn, im Auftrag der Gemeinde die Zahlung der Strandkurabgabe zu kontrollieren. Wer keine gültige Strandkarte vorweisen kann, muss nachzahlen und zusätzlich wird eine Nachlösegebühr von fünf Euro pro Person fällig.
„Wieso Strandkarte? Wir müssen doch schon für den Parkplatz so viel Geld bezahlen“, lamentieren die Männer. Sven Peter beharrt auf einer Nachlöse, doch die Herren verlegen sich auf die trickreiche Tour. Sie bieten „einen Sixpack zum Tausch“ und, als das nicht klappt, versichern sie, erst 17 Jahre alt und damit von der Abgabe befreit zu sein. Ausweise hätten sie aber nicht dabei. Sven Peter bleibt ruhig, aber hart. Er müsse sie ohne eine Zahlung des Strandes verweisen oder aber die Polizei informieren, lässt er den jungen Männern aber ein Hintertürchen offen: „Hinter dem U-Boot gibt’s einen Freistrand ...“ – und dahin zieht es die Verwarnten denn auch.
Auch Einwohner müssen zahlen: zehn Euro im Jahr für ihre Einwohnerstrandkurkarte, die sie auch dabei haben sollten, denn Sven Peter ist unerbittlich, wie der Laboer Stefan Graw erlebt. Die Strandgebühr und ihre Verwendung für Ordnung und Sauberkeit bewertet er aber positiv.
Die Familie Leistikow aus Bothkamp hatte keine Strandkarte aus dem Automaten gezogen, bevor sie sich mit ihren Kindern einen Platz im Sand gesucht haben. „Wir wussten nicht, dass wir hier etwas bezahlen müssen, sonst wären wir vielleicht woanders hingegangen“, sagt Rolf Leistikow, zückt aber sofort das Portemonnaie. Sven Peter fordert im Gegenzug die Nachlösegebühr nur einmal und nicht pro Person. „Das liegt in meinem Ermessen. Das ist ja eine Familie und wir wollen keinen vergraulen“, sagt er.
Viele Strandbesucher halten ihre Karte schon in der Hand, als Sven Peter naht. „Das kennen wir nicht anders“, sagt Familie Dechert. Auch Karin Hoppe aus Henstedt-Ulzburg, die mit ihren Eltern Wolfgang und Heidi Stuhlmüller in Laboe Urlaub macht. Verständnisvoll zeigen sie ihre Kurkarten vor. „Völlig in Ordnung“ finden sie die Abgabe und die entsprechende Kontrolle. Allerdings würde sie sich „dafür ein wenig mehr Sauberkeit am Strand“ wünschen, weist Heidi Stuhlmüller auf Unrat hin.
Auch Melanie und Florian Gräsli aus Freiburg fühlen sich durch die Aufforderung, die Strandkarte vorzulegen, nicht belästigt. Ob allerdings „die Nutzung der Landschaft überhaupt etwas kosten sollte“, finden sie fraglich. Denn auch Spaziergänger am Strand, die nicht zum Baden oder Sonnen verweilen, müssen zahlen. Das findet auch Dieter Lippert aus dem Siegerland „überzogen“.
Doch Sven Peter hat klare Vorgaben: „Sobald der Strand betreten wird, ist die Gebühr fällig“, erklärt er ruhig. Ruhe ist ohnehin ein guter Ratgeber für seine Aufgabe. Denn er stößt bei seinem Rundgang nicht nur auf Verständnis und Freundlichkeit. „Es gab schon Leute, die mich angepöbelt haben oder einfach weggerannt sind“, erzählt Sven Peter aus den wenigen Wochen seiner Arbeit.