Mittwoch, 1. September 2010Ist das denn wirklich Trudi? Kieler entdeckten Seehund zwischen Laboe und Stein – In Eckernförde tauchte ein Tier ab Laboe/Stein. „Das ist Trudi!“ Gerd Callsen aus Eckernförde ist sich ganz sicher, als er das Foto sieht. Spaziergänger hatten am Sonntag zwischen Laboe und Stein einen Seehund fotografiert und das Bild an die Kieler Nachrichten gemailt. Und allem Anschein nach handelt es sich um das Tier, das rund neun Wochen lang in Eckernförde zahlreiche Touristen und Einheimische an den Strand gelockt hatte. Und das Callsen zusammen mit anderen Freiwilligen rund um die Uhr bewacht hatte. Seit Donnerstagabend ist Trudi dort abgetaucht. Von Silke Rönnau „Wir haben den Seehund am Sonntag beim Spaziergang auf dem Felsen entdeckt und sind näher rangegangen“, erzählt Anne Fischer aus Kiel. Sie und ihr Mann Frank waren rund zwei Stunden unterwegs. Als sie wieder an dem Felsen vorbeikamen, war das Tier immer noch da – und zahlreiche Schaulustige. „Manche sind bis auf einen halben Meter herangegangen“, erzählt Anne Fischer weiter. Aber der Seehund habe keine Anstalten gemacht zu flüchten. Das habe ihr ein wenig Sorgen gemacht. Die zutrauliche Art hatte der Seehund auch schon in Eckernförde gezeigt, wo er am 26. Juni erstmals aufgetaucht war. Das rund eineinhalb Meter lange Tier hatte sich inmitten der Urlauberscharen gesonnt. Allerdings wurde davor gewarnt, zu nah heranzugehen: Denn die Bisse von einem Seehund seien so gefährlich wie Bisse von einem Schäferhund, hatte der Leiter des dortigen Ostsee-Info-Centers, Claus Müller, betont. Er mahnte deshalb, einen Abstand von mindestens 20 Metern einzuhalten – schon deshalb, weil ein Seehund schnell zuschnappen könne. Übrigens gehören diese Säugetiere an den Ostseeküsten zu den gefährdeten Tierarten und stehen auf der „Roten Liste“. Nachdem der Seehund – inzwischen von den Lesern der Kieler Nachrichten nach einem Aufruf auf den Namen Trudi getauft – zum beliebten Foto-Motiv avancierte und manche ihm ziemlich nah auf die Pelle rückten, meldeten sich zunächst drei freiwillige Bewacher als selbst ernannte Seehund-Beauftragte. Sie wollten das Tier schützen und dafür sorgen, dass es sich am Strand ausruhen kann. Dabei trieb Trudi manchmal ihren Schabernack mit ihnen, erzählt Callsen. Der gelernte Tierpfleger und seine Mitstreiter hatten immer vier Metallpfähle in einem gewissen Abstand um den Seehund gesteckt und den Bereich mit einer Leine abgesperrt – doch dann robbte Trudi unter dem Seil hindurch an eine andere Stelle. Und die Bewacher zogen hinterher. Nach einigen Wochen verstärkten noch 13 Security-Umschüler die Wachmannschaft. Doch nun war der ganze Zirkus in Eckernförde vorbei. Trudi hatte sich vom Acker – pardon, vom Strand – gemacht. Vielleicht sorgt sie ja nun in der Probstei mit ihren dunklen Kulleraugen für die nächsten verzückten Fans, wenn sie sich im Sand sonnt oder auf einem Felsen ausruht… Wer Trudi sichtet, kann sich bei der Ostholsteiner Zeitung unter Tel. 04342/7878782 melden. Freitag, 27. August 2010Besonders geeignet dank "Steppke"
Seenotrettungskreuzer „Berlin“ wird in diesem Jahr 25 Jahre alt – 100 Einsätze pro Jahr Laboe. Kein anderes Schiff im Laboer Hafen ist wohl so markant wie der Seenotrettungskreuzer „Berlin“. Das Schiff ist das erste der 27-Meter-Klasse und zählt zu den ältesten der Flotte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Es feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag, 30 Jahre beträgt in etwa die Betriebsdauer dieser Schiffe. Bei einer Tasse Kaffee erzählt der erste Vormann Michael Müller aus dem Alltag der Seenotretter an Bord. Von Astrid Schmidt Wie viele Seenotkreuzer und Rettungsboote fahren eigentlich auf Ostund Nordsee? Zwischen Borkum und Ueckermünde sind 61 Seenotkreuzer und Rettungsboote im Einsatz. 186 fest angestellte und rund 800 ehrenamtlich tätige Seenotretter arbeiten auf 54 Stationen auf den Inseln und entlang der Küsten. Wann kam die „Berlin“ nach Laboe? Die „Berlin“ wurde 1985 in Dienst gestellt und löste als neues Schiff die Theodor Heuss am Standort Laboe ab. Damals begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Station Laboe der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Das Schiff hatte damals die leistungsfähigste Feuerlöschanlage im Einsatzbereich der gesamten DGzRS-Flotte, Innenminister Karl-Eduard Clausen nahm sie in Betrieb. Weshalb wählte man gerade Laboe aus? Die Entscheidung der Seenotleitung in Bremen für die Stationierung fiel vor allem aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens auf der Kieler Förde. Und dafür ist die „Berlin“ besonders geeignet? Ja, und zwar durch das Tochterbootsystem. Mit unserem Boot „Steppke“, das auf See ausgesetzt werden kann, können wir vor allem dicht an Segelboote in einer Notlage heranfahren. Wie viele Einsätze fallen im Jahr an? Im Schnitt sind das so um die 100 Einsätze, fünf bis zehn Prozent davon sind medizinische Fälle. Gerade erst haben wir ein fünfjähriges Mädchen mit Beinbruch von der Stena-Line geholt und an Land dem Rettungsdienst übergeben. Hauptsächlich sind unsere Einsätze Hilfeleistungen für die Wassersportler. Da fällt bei Sturm einem Segler der Motor aus oder es brennt auf einer Fähre. Auch das Suchen vermisster Personen gehört zu unseren Aufgaben. Wie rüsten Sie sich für solche Einsätze? Zwei- bis dreimal wöchentlich üben wir gemeinsam mit dem Marine-Flieger-Geschwader, auch mit der Wasserschutzpolizei und der Feuerwehr sind wir eng verbunden. Was wünschen Sie sich? Dass unser Schiff uns noch so lange wie möglich erhalten bleibt.
Dienstag, 24. August 2010
Folkeboote setzen vor Laboe die Segel Geschrieben von Ostseebad Laboe
in Gemeinde, Maritimes, Sport und Erholung um
16:10
Folkeboote setzen vor Laboe die Segel
Morgen erste Wettfahrt um die DM – „Basislager“ in der Baltic Bay Laboe. Als Regattarevier ist die Kieler Außenförde vor Laboe bei Folkeboot-Crews seit jeher beliebt, der Trudelmaus-Pokal hat einen festen Platz im Regatta-Kalender der Langkieler. Zum 100. Geburtstag des Laboer Regatta Vereins (LRV) erhält das Revier nun den Ritterschlag. Von morgen an bis zum Sonnabend gehen 38 Crews auf der Ostsee auf Medaillenjagd bei der deutschen Meisterschaft. Es ist nach 1979 der zweite Folkeboot-Titelkampf vor Laboe. Die Top-Crews aus der deutschen Rangliste lassen sich dieses Ereignis natürlich nicht entgehen. Die Favoriten-Bürde hat dabei wohl erneut der aus Eckernförde stammende und inzwischen in Berlin wohnende Christoph Nielsen mit seiner „Chiquita“-Crew zu schultern. Der Führende der Rangliste musste sich in diesem Jahr bei der Kieler Woche zwar dem Dänen Per Jörgensen geschlagen geben, doch die nordischen Nachbarn sind nun wegen ihrer eigenen Meisterschaft nicht dabei. Ulf Kipcke aus Kiel, Dritter der Kieler-Woche-Rennen 2010, dürfte daher neben den Lokalmatadoren des LRV, Dirk Rohrbeck, Uwe Pfuhl und Sönke Durst, zu den stärksten Konkurrenten gehören. Zentraler Dreh- und Angelpunkt der deutschen Meisterschaft wird die Baltic Bay sein, die über die hierfür benötigte Infrastruktur verfügt. Dirk Rohrbeck hatte den Kontakt zu Andreas Prey von der Schiffswerft Laboe hergestellt, so dass jetzt das Liegen der gesamten Flotte an einem Steg, die Bereitstellung der benötigten Landflächen und Räumlichkeiten für das Regattabüro sowie die seit gestern laufenden Vermessungen gewährleistet sind. Ein Konzept, das dem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl der Folkebootsegler entgegen kommt, denn es soll eine Veranstaltung der kurzen Wege werden. Der erste Startschuss ist morgen für 11 Uhr geplant. Insgesamt sind neun Wettfahrten vorgesehen, letzte Startmöglichkeit ist am Sonnabend um 14.30 Uhr. ra Samstag, 21. August 2010
"Segeln durchs Wasser wie durch ... Geschrieben von Ostseebad Laboe
in Gemeinde, Maritimes, Sport und Erholung um
16:54
"Segeln durchs Wasser wie durch Sahne"
In Laboe werden die Klassiker-Regatten ausgetragen – Imposante Beispiele alter Jachtbaukunst zu bewundern Laboe. Sie ist bundesweit die größte Veranstaltung ihrer Art und auch in Europa wohl einmalig – die German Classics. Zum 20. Mal werden die Klassiker-Regatten am Wochenende in Laboe ausgetragen. Über 130 klassische Jachten, darunter die 116 Jahre alte Kutterjacht „Peggy Bawn“ aus Irland und die 12er-Rennjacht „Heti“ von 1912, sind im Hafen versammelt und bieten auch Landratten noch bis Sonntag ein imposantes Bild. Von Astrid Schmidt Bug an Bug, im Päckchen zu viert und zu fünft, liegen sie an der Pier. Klare Linien verleihen ihnen ein schnittiges Bild. Und genau diese Linien haben es Hella Peperkorn aus Kiel angetan. Die passionierte Seglerin vom „Freundeskreis klassischer Yachten“ ist Mitorganisatorin der Klassiker-Regatten und hat eines mit allen teilnehmenden Skippern gemein: „Segeln ist für uns nicht nur Sport, Segeln ist ein Lebensgefühl“, meint die 47-Jährige. Des Wassers wegen ist sie seinerzeit von Bielefeld nach Kiel gezogen und segelt selbst seit über 25 Jahren. Doch erst vor fünf Jahren entdeckte sie die Vorzüge eines „Klassikers“. „Man segelt durch das Wasser wie durch Sahne, einfach Meterboot-Feeling. Aber es ist nicht nur das Segeln, sondern auch die Atmosphäre, wenn das Licht das Holz erwärmt“, schwärmt sie von ihrer „feinen Lady“. Ihr Boot, eine Rennjacht, neun Meter lang, 1,80 Meter breit, hatte sie in Dänemark „in einem sehr liebesbedürftigen Zustand“ entdeckt. In diesem Winter krempelte sie die Ärmel auf und wagte die Restaurierung. Sie hatte Glück und erhielt vom Sohn des Designers Tord Sunden (auch maßgeblich am Riss des Folkebootes beteiligt) die Original-Pläne. Nur so war es möglich, beispielsweise das Kastencockpit wieder auf die Originalform zurückzubauen, die an einen Kontrabass erinnert. „Vielleicht war er verliebt, als er diese Linien gezeichnet hat“, mutmaßt die Seglerin. Eine Veränderung zum Original: Peperkorn verzichtete auf das Leinendeck. Stattdessen ziert das lackierte Sperrholz ein Schandeck aus Mahagoni. Außerdem gönnte sie sich ein paar besondere Beschläge, die sie teilweise selbst gezeichnet hat. Eines habe sie sich auf die Fahne geschrieben, seit sie bei den Klassikern mitsegelt: Sie möchte mehr Frauen ermuntern, sich zu trauen, und führte deshalb ein Skipperinnen-Treffen ein. „Segeln ist immer noch eine Männerdomäne“, sagt sie. Vielleicht hat damit auch der Name ihres Bootes zu tun: „Oui, Oui!“ steht am Rumpf. Eine Besonderheit der Klassikerregatten ist für Segler als auch Besucher die in einem Hafen versammelte Typenvielfalt. Imposant anzuschauen ist beispielsweise auch das älteste Schiff: die 116 Jahre alte Kutterjacht „Peggy Bawn“ aus Irland. Originalgetreu restauriert, zeugt sie stilvoll und authentisch von alter Jachtbaukunst. Goldene Verzierungen am Bug, eine runde Luke an Deck oder auch die minimalistisch wirkende Ruderanlage verleihen ihr Stil und Authentizität. Denn vor allem darum geht es den Freunden klassischer Jachten. So unterschiedlich ihre Boote sein mögen – alle haben eines gemeinsam: Sie werden von ihren Eignern nicht nur liebevoll restauriert, gehegt und gepflegt, sondern auch dafür genutzt, wozu sie gebaut wurden: zum sportlichen Segeln.
Freitag, 20. August 2010Die nächste Kontroverse
Gedenkstätte, Kulturdenkmal, Zankapfel: In Schleswig-Holstein wird erneut ums Ehrenmal in Laboe gestritten. Grund ist eine neue Ausstellung – und ein stattlicher Landeszuschuss Von Bodo Stade Schuld an der aktuellen Kontroverse ist streng genommen die Weltwirtschaft. Denn hätte die nicht spürbar geschwächelt, hätte das arme Schleswig-Holstein im Frühjahr 2009 wohl niemals ein millionenschweres Konjunkturprogramm aufgelegt und in diesem Rahmen stolze sechs Millionen Euro für ein Investitionsprogramm Kulturelles Erbe reserviert. Motto: „Kulturelle Schätze des Landes bewahren, Arbeit im Handwerk schaffen.“ Neben den Schlössern Eutin, Ahrensburg, Glücksburg und Husum, dem Freilichtmuseum in Molfsee und dem Danewerk bei Schleswig kam auch der Deutsche Marinebund in den Genuss einer Förderung. 600 000 Euro bewilligte die Staatskanzlei für die Sanierung der Historischen Halle, die lange Jahre ein Schattendasein geführt hatte und zur Freude des Landesdenkmalpflegers wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden sollte – inklusive Wärmedämmung und neuer Elektrik. Gleichzeitig sollte die alte, militärgeschichtliche Ausstellung endlich einer neuen, zeitgemäßen Präsentation weichen. Gesamtkosten: rund 1,5 Millionen Euro. Einen Haken hatte die Sache. Die Bewilligung des satten Zuschusses war der Landesregierung, die sonst jede Scheckübergabe meldet, nicht einmal eine kleine Pressemitteilung wert und blieb deshalb weitgehend unbemerkt. Erst im Frühjahr, als Schwarz-Gelb bereits einen harten Sparkurs fuhr, wurde die stille Gabe publik – und treibt seitdem nicht nur die Opposition im Landtag um. Auch unter Historikern ist ein handfester Streit entbrannt. An der Spitze der Kritiker stehen die Kieler Professoren Karl Heinrich Pohl, Olaf Mörke und Martin Krieger, der Politikwissenschaftler Harald Schmid sowie der Direktor der KZGedenkstätte Neuengamme, Detlef Garbe. In einem gemeinsamen Papier haben sie ein vernichtendes Urteil gefällt und eine öffentlichen Förderung in Bausch und Bogen verdammt. Hauptargument: Das Ziel einer kritischen Auseinandersetzung mit der Marinegeschichte werde „nur postuliert“, finde sich aber nicht einmal ansatzweise wieder. Hat die Staatskanzlei das Geld also nach gutdünken verteilt? Zumindest für die Opposition ist die Sache halbwegs klar. „Die Netzwerke des Marinebundes funktionieren anscheinend noch immer ganz ordentlich“, argwöhnt da der SPD-Kulturpolitiker Hans Müller. Marinehistoriker Jann Witt, der das Konzept erarbeitet hat, hält diese Vorwürfe für absurd – und ärgert sich natürlich über den Verriss durch die Kollegen. Die Geschichte der Marine sei lückenlos dargestellt. „Wir setzen uns gerne auseinander, aber in Form einer Diskussion und nicht in Form von Schmähkritik.“ Und was sagt die Landesregierung? Sie hat in ihren Antworten auf mehrere Kleine Anfragen nicht nur den Zuschuss verteidigt, sondern bekennt sich auch zur Ausstellung. Sie sei „besucherfreundlich und museumsdidaktisch beispielgebend“. Am Ende wird dem einzelnen Besucher nichts anderes übrig bleiben als das, was der Historiker Pohl ohnehin fordert: Er wird sich eine eigene Meinung bilden müssen.
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